Bergzeit Kletterteam

Klettern – inspired by nature

A harte Nuss: die Zillertalerin “Lolita” (9-/11 SL)

Eine Woche bevor David für drei Monate in die USA verschwindet (hoffentlich mit tollen Kletterfotos und -berichten von unterwegs für unseren blog!), bot sich Ende August die letzte Gelegenheit für uns beide, endlich “Lolita” im Floitental (Freie Sprünge) anzugehen. Eines der seltenen Schönwetterfenster (Föhn) in diesen verregneten Sommerferien ließ uns auf trockene Verhältnisse hoffen… Die Tour verläuft über ausgewaschene Platten parallel zur “Bikini-Variante” (nomen est omen) direkt neben einem Wasserfall – bei Wind aus der falschen Richtung kann es auch mal nass werden. Die Reibung der Granitpanzer ist aber so gut, dass die meisten Stellen auch im feuchten Zustand gut geklettert werden können. Laut Führer sollte man wegen der Sonneneinstrahlung und Thermik vor 10 Uhr einsteigen, wir starteten bewusst später, um dem Fels nach den Regenfällen der Vortage Zeit zum Trocknen zu geben, außerdem ist die Wand am späten Nachmittag im Schatten.

ACHTUNG: IN DIESER TOUR FEHLT EIN STANDPLATZ (s.u.) !!!

Zustieg zur Tour

Der Zustieg dauert von der Tristenbachalm aus 30 Minuten, zuerst über eine Forststraße durch den Wald, danach über Almweiden zum Wandfuß. Die Lage und die Aussicht von oben ist traumhaft und fast kitschig: Gletscher im Hintergrund, unten die Almhütte mit grasenden Kühen auf saftigen Wiesen.

Die 2. SL (6-) schlängelt sich durch einen grasige PLattenbereich, ist aber superschön

Die erste SL  (3-) kann man seilfrei begehen, dann beginnt die eigentliche Tour mit einer 6-. Diese Seillänge  ist superschön und dankbar, denn sie hat fast nur große, runde Seitgriffe und gute, kleine Stufen zum Stehen. Die folgende Seillänge (6+) steht der 6-  in nichts nach.

Eha, da is aber oaner gscheid am Posen, könnt da David sei... Die trendige Sonnenbrille hat er übrigens gefunden; ist uns dann auch runtergefallen... Wurscht! Vierte SL (6+)

Nach der 6+ geht es  in einer Rechtsschleife und noch viel besserer Kletterei als zuvor (ausgewaschener Fels mit rauen und runden Griffen) zum Stand (der linke von beiden). Von diesem zweigt die Lolita nach links ab.

Die 8+ Seillänge

Zuerst gehts in einer schwarzen Wand voller Leisten leicht nach links (8+). Wenn – wie bei uns – die Sonne ungünstig steht (d.h. wenn sie kurz vor dem Verschwinden hinter der Wand ist), hat man ein Problem: man sieht einfach gar nichts!!!

Erste eigenständige SL der Lolita (8+)

Es folgt eine nur mit 7- bewertete Seillänge, die wir jedoch beide sehr anspruchsvoll fanden: Eine lange Querung an einer fetten Untergriffschuppe (gute Griffe), wobei aber so gut wie keine Tritte vorhanden sind… Wenn es hier nass ist, könnte das Weiterkommen schwierig werden.

Der Quergang an der großen Schuppe (7-)

Am Ende der Schuppe erreicht man einen Stand, von dem aus die 9- startet. ACHTUNG: Der Stand, an dem dann diese Schlüsselseillänge enden sollte, fehlt!!! Im Kletterführer Zillertal ist in der 9- Länge ein “eventuell möglicher Zwischenstand” eingezeichnet. DIESEN UNBEDINGT NEHMEN!!! Danach empfiehlt es sich, an einem Bohrhaken Stand zu machen…

Im Anschluss folgt diese Tour der Bikinivariante (eine SL 6-). Über diese seilt man auch wieder ab.

Ein paar Facts:

  • Erstbegeher: Scherer, Messner, Schaller 2001
  • 330 m Wandhöhe, westexponiert
  • 9 Seillängen: 3+/6-/6/6+/8+/7/9-/6/5+/6+/4+
  • Ausrüstung: 16 Expressen, 70-Meter Einfachseil bzw. 60-Meter Doppelseil
  • 8+ und 9–Seillängen können auch technisch geklettert werden (A0)
  • Abseilen über Bikinivariante (35 m Abstände)

PS an David und Krissy: viel Spaß bei den Bigwalls in den Staaten! Lasst was von euch hören!!!!! Bei uns regnet’s immer noch!

Schlagworte: , , ,

Kommentar schreiben