Alpin-Training des Stützpunktkaders Tölz am Ross- und Buchstein

Wahrscheinlich liegt´s einfach daran, dass wir zu nah an den Alpen wohnen – den Stützpunktkader Tölz zieht´s jedenfalls mehr an den Fels als in die Hallen. Wettkämpfe spielen z.B. im Gegensatz zum Münchner Pondon überhaupt keine Rolle. Umso besser! Nachdem wir heuer ein paar sehr junge, aber sehr begabte Neuzugänge hatten, war es an der Zeit: Raus aus der Halle und rein in die Berge! Sportklettern oder alpin oder beides – egal, Hauptsache ihnen taugt`s! Für den Anfang wählte Tom Hesslinger, unser absoluter Alpin-Könner und Bergführer, den Ross- und Buchstein als ideales Trainingsgelände für ein Wochenende aus, an dem die Youngsters – soweit noch nicht geschehen – erste Schritte in alpinen Sportkletter- und Mehrseillängenrouten machen konnten.

Start am Parkplatz

Wie sollte es anders sein – am Samstag Morgen regnete es in Strömen, auch Gewitter waren angesagt. Wieder einmal hielt uns die Halle gefangen, d.h. es gab zuerst einmal einen halben Tag Trockentraining unter Dach (anstatt am echten Fels)… Auf dem Programm standen Sicherungstechnik und Taktik, d.h. Standplatzbau, Sichern in Mehrseillängenrouten beim Vor- und Nachsteigen (mit HMS und Tube), Dummy-Runner-Methode, Abseilen, aber auch Routenplanung: scheinbar banale Dinge wie Finden des Einstiegs und nicht zuletzt Checken der Materialliste.

Zustieg bei Nebel und Nieselregen

Am Nachmittag ließ der Regen nach und wir machten uns endlich zum Anstieg auf die Tegernseer Hütte auf – begleitet von Übernachtungsgästen, die etwas Anderes als Klettern im Sinn hatten: sie wollten “richtig einen drauf machen” (O-Ton jener Gestalten), wie der Abend und vor allem die Nacht zeigte. Ihr Alkoholpegel ließ sie zwar selbst tief schlafen und schnarchen,  wir lagen aber im überfüllten Lager stundenlang wach da…

Ziemlich übermüdet ging´s dann am Sonntag an die Wand – mit langen Unterhosen und Winterjacke, und das am ersten Juli-Wochenende! Die Temperaturen lagen gefühlsmäßig kurz über dem Gefrierpunkt, die Finger waren dementsprechend klamm. Simon und ich entschieden uns erst mal für das “Sahnestückchen” (7-) an der Südwand, eine coole 5- Seillängen-Tour, die wir schon einmal vorgestellt haben. (>>Routenbeschreibung Sahnestückchen<<)

Sahnestückchen 1. SL

Kurz vorm Stand der ersten SL

Oft genug kann man’s eigentlich gar nicht sagen: Das Beste am Roß- und Buchstein ist die Hütte, wo die Brotzeit nach gelungener Tat schon auf einen wartet (beim Abstieg von den Mehrseillängenrouten kommt man direkt an der Hütte vorbei). So auch dieses Mal… Aufgewärmt, satt und zufrieden trauten wir uns nach der verdienten Hüttenpause wieder nach draußen. Unser nächstes Ziel: Mein Projekt am Mittelteil der Südwand, das außer einem Schüttler keine wirklich dankbaren Stellen besitzt, ca. 25 Meter lang ist und irgendwo im zehnten Grad einchecken wird. Als krönenden Absch(l)uss sprinten wir über den “Westgrat” (3+) auf die Roßstein-Nadel, allerdings bei 5° und orkanartigem Wind… Alles in allem war´s eigentlich ein gelungenes Wochenende, und wer sich aus der Hütte herausgetraut hat, hat auch ordentlich Spaß gehabt. :-)

Simon in "Kiss me Kate" (8+)

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