Bouldern in Fontainebleau im September 2011 – Yes we can!
Die Reaktionen auf unseren Plan, im September nach Bleau zu fahren, waren zwiegespalten: “Da ist es doch noch viel zu warm, da geht nichts!” weissagten die einen, “Kann schon ganz kühl und gut sein!” die anderen. Recht hatten sie im Endeffekt beide. Es kommt eben einfach auf´s Wetter an: In der ersten Wochenhälfte war´s noch recht kühl und wechselhaft, danach wurde es leider immer wärmer und die Bedingungen immer ungünstiger.
Für mich war es das erste Mal Bouldern in Bleau. Unterwegs waren insgesamt zwölf Leute plus zwei Betreuer vom Stützpunktkader Tölz. Die Anfahrt durch das doch eher langweilige Frankreich (Agrarsteppe, kein Wald, keine Berge, einfach nix!) war endlos – Nachfahrt mit Pausen, insgesamt 14 Stunden – wir fürchteten nicht nur einmal, dass unser Fahrer einschlafen würde… In Bleau angekommen, waren alle sofort wieder hellwach.
Noch am ersten Tag machten wir uns auf ins Gebiet Franchard Isatis. Noch leicht müde von der langen Anfahrt wurden die ersten Griffe angetastet, erste Boulder geklettert, Chalk gespart. Große Begeisterung allerseits, wir waren vom Bleau-Fieber infiziert. Ich hab’ mal gehört, das bleibt ein Leben lang… Dagegen ist kein Kraut gewachsen! Und irgendwie find’ ich das gar nicht so schlimm…
Ich glaube, wenn man in Bleau nicht bouldern könnte, würde ich trotzdem immer wieder hinfahren. Der lichte Wald mit seinen Kiefern und Birken, die Sandwüsten beim Zustieg, die Sandsteinblöcke mit ihren unglaublichen Formen – Bleau ist ein Ort voller Geheimnisse, die es nicht nur in abertausenden von Boulderproblemen zu lüften gibt. Nicht selten begegnet man versteinerten Schlangenköpfen, Schildkröten, Vögeln, Hunden oder Zwergen. Ich bin kein Esoteriker, doch im Wald von Fontainebleau spürt man, besonders in den Morgen-und Abendstunden, ein gewisse Magie, die diesen Ort umgibt. Wer das nicht glaubt, der möge sich zwei Wochen frei nehmen und nach Fontainebleau fahren – und wenn ihr genau genug hinschaut, werdet ihr begreifen, was ich meine.
Doch nun zu eigentlichen Punkt: Bouldern! Eines sei im Voraus gesagt: In Bleau gibt es keine schlechten Boulder, jeder ist auf seine Art einzigartig und immer interessant. DAS Kletter-Klischee überhaupt, nämlich dass es in Bleau keine Tritte und viel zu viele Platten gibt, war gleich am ersten Tag aus unseren Köpfen verschwunden. Hier gibt’s auch Dächer, richtige Dächer!!! Natürlich sind die flachen bis senkrechten Boulder in der Überzahl, das Angebot an steilen Sachen reicht jedoch für ein Menschenleben – oder zwei…
In unserem Kaderurlaub konnten wir trotz der Hitze Boulder bis fb 7c klettern, z.B. “L’Ange Naif” (7c) im Sektor 95.2 oder “Arabesque” (7b+) im Gebiet von Cul de Chien.
Höhepunkte des Trips waren außerdem Boulder wie “Toit du cul de chien” (7a) oder ein 7b-Boulder, von dem wir zu wissen glauben, dass er auf den Namen “Les pieds dans la plat” hört, sicher sind wir uns aber nicht…
Insgesamt waren wir uns alle einig: Bleau ist einfach das besten Gebiet der Welt. Um wir werden bald wieder hier sein, um uns im Zauberwald bei Paris der besten Sache der Welt zu widmen – dem Bouldern.












Hi Bene,
cooler Bericht – macht definitiv Lust auf Wiederholungstaten!!
Zum Boulder in 95.2 (Les pieds…) – wir hatte ja schon darüber spekuliert:
Jetzt wo ich das Foto seh – es ist “Retour aux Sources” (wörlich: “Zurück zu den Quellen”, im übertragenen Sinn auch “zurück zu den Ursprüngen” oder neudeutsch “back to the roots…”)
Guckst Du auch: http://bleau.info/95.2/5.html
Der Bloc auf dem ersten Foto ist optisch echt der Hammer (“Arachnée” in den Gorges aux Chats), und damit symbolisch für den versteinerten Märchengarten Bleau.
Anregung zum Weiterträumen: Der geniale Clip von Udo Neumann (featuring Klem Loskot) “The Bleau Experience” – guckst Du: http://www.youtube.com/watch?v=zmeelqzHmsQ
cya Tom