Bergzeit Kletterteam

Klettern – inspired by nature

Der große Chalk-Praxistest – alles über Magnesia

Ball, Pulver, Würfel, Liquid, weiß oder grau – die Aggregatszustände von Chalk

Es werden mittlerweile schon fast 50 Kilogramm Chalk sein, die  ich in meinem Kletterleben in Form von feinem, weißen Staub  in der Halle oder am Fels verteilt habe. Ausprobiert habe ich dabei schon alles – Chalkballs, Chalk in Pulverform und Flüssigchalk. Vor drei Monaten übernahm ich den interessante Auftrag, für Bergzeit acht verschiedene Ausführungen genauer unter die Lupe zu nehmen. Getestet wurde in der Praxis – beim Bouldern in Fountainebleau  und beim Soulmoves-Wettkampf, beim Sportklettern am Schleier und an der C-Wall (Chinesische Mauer), beim Alpinklettern und natürlich beim Trainieren in der Halle. Hier die Ergebnisse – bzw. zuvor ein kleiner Überblick über den Chalk-Markt für “Einsteiger”.

Chalk-Test in Bleau

  • Chalkballs

Bei der Herstellung von Chalkballs wird feines Magnesia in chalk-durchlässige Stoffbeutel gefüllt. Chalkballs haben meist eine runde bis ovale Form.

–>Vorteile: Der Chalkball gibt nicht mehr Chalk ab als nötig, das Abblasen von überschüssigem Pulver von der Hand kann man sich sparen. Ihr größter Vorteil ist daher der geringere Verbrauch verbunden mit einer reduzierten Feinstaubbelastung – ein Grund dafür, dass in vielen Hallen nur Chalkballs erlaubt sind. Nachfüllbare Chalkballs sind kostengünstiger als Einwegbälle.

–>Nachteile: Leider spenden die meisten Chalkballs bei bloßem In-die-Hand-Nehmen nur sehr wenig Magnesia (das hängt mit den meist zu undurchlässigen Stoffbeuteln zusammen). Wer also schneeweiße Hände zum Klettern braucht: lieber Pulver-Chalk oder Flüssigchalk verwenden (oder heimlich ein kleines Loch in den Stoff reißen)! Das Nachfüllen der Balls ist fummelig und eine staubige Angelegenheit – besser im Freien machen! Bröckeliges Pulverchalk ist dabei ungünstig, feines geht besser durch das Netz.

–>Fazit: Ein kräftiges „Draufpatschen“ auf den Chalkball kann den geliebten Griff in den prall gefüllten Chalkbag durchaus ersetzen. Da man beim Seilklettern jedoch selten beide Hände zum „Draufpatschen“ frei hat, sind Chalkballs eher zum Bouldern als zum Klettern geeignet.

Nachfüllbarer Chalkball

Nachfüllbarer Chalkball

Einweg-Chalkball

Einweg-Chalkball

  • Magnesiapulver („Chalk“)

Magnesiapulver existiert in zig verschiedenen Formen, es ist also für jeden das Passende an Qualität und Konsistenz dabei. Das meiste Chalkpulver ist mehr oder weniger grobkörnig, kann jedoch durch Zerdrücken feiner gemacht werden. Den Extremfall stellt das sehr feine Magnesia ohne Brocken und Körner dar. Manche Chalksorten sind auch als gepresste, butterwürfelgroße Magnesiawürfel erhältlich, welche per Hand beliebig zerkleinert werden können. Ein Newcomer  ist das sogenannte Grey Chalk oder Chalkcoal, ein umweltfreundliches, aus natürlichen Bestandteilen zusammengesetztes Pulver, das aufgrund seiner grauen Farbe und seiner guten Wasserlöslichkeit weniger Spuren am Fels hinterlässt.

Grey Chalk

–>Vorteile: Magnesiapulver trocknet verschwitzte Hände sehr effektiv (wesentlich effektiver als Chalkballs) und ist deshalb auch die beliebteste Chalkform. Ein schneller Griff in den Chalkbag reicht  vollkommen aus (im Gegensatz zum Chalkball).

–>Nachteile: Die in Kletterhallen meist sehr hohe Feinstaubbelastung rührt fast gänzlich vom Chalkpulver her. In der Halle sollten Chalk-Orgien (Chalk auf den Matten etc.) deshalb unbedingt vermieden werden! Chalkwürfel enthalten Bindemittel (Seifenpulver), damit sie in Form bleiben – die kommen dann mit auf die Haut und verbessern nicht gerade den Grip.

–>Fazit: Bei richtiger Handhabung ist offenes Chalk die effektivste Magnesia-Form. Vor allem in den oberen Schwierigkeitsgraden ist gutes Chalk unerlässlich.

Das klassische, körnige Magnesia

Das klassische, körnige Magnesia

Sehr fein gemahlenes Chalk

Sehr fein gemahlenes Chalk

Eco-Chalk

Grey Chalk

  • Flüssig-Chalk

Flüssig-Chalk ist eine spezielle Variante des gewöhnlichen Magnesia. Bei der Herstellung wird Chalk mit Alkohol und weiteren Zusatzstoffen vermischt, woraus eine dickflüssige Masse entsteht, die in Flaschen abgefüllt verkauft wird. Verteilt man etwa einen Fingerhut voll Flüssig-Chalk auf den Handflächen, trocknet das Chalk nach zirka einer halben Minute und bildet eine stabile Chalk-Schicht, welche für mindestens zehn Klettermeter den Griff in den Chalkbag ersetzen kann.

–>Vorteile: Flüssig-Chalk hält wesentlich länger auf den Fingern als Chalk-Pulver. Es ist somit vor allem für Routen geeignet, bei denen man auf den ersten Metern nicht nachchalken kann. Beim Bouldern ist Flüssig-Chalk durchaus eine sinnvolle Alternative zum Pulver, vor allem bei längeren Bouldern.

–>Nachteile: Leider variiert die Qualität der Flüssig-Chalks extrem stark. Viele Flüssig-Chalks werden nach ein bis zwei Jahren unbrauchbar, da sie – anstatt die Hände zu trocknen – eine schmierige Schicht auf den Fingern hinterlassen – für schwere Züge also eher kontraproduktiv…

–>Fazit: Qualitativ hochwertiges, frisches Flüssig-Chalk ist in manchen Fällen sogar besser als Pulver oder Chalkballs, für den „normalen“ Hallenkletterer ist es aber eher unnötig. Die meiste Verwendung findet Flüssig-Chalk bei Boulder-, Speed- und Lead-Wettkämpfen.

Frisches Flüssig-Chalk

Flüssig-Chalk

Getrocknetes Flüssigchalk

Getrocknetes Flüssigchalk

Die getesteten Chalks – der große Chalkvergleich

vlnr: Stubai MgPRO Chalkball, Black Diamond Chalk Shot Refillable, Aliens Magnesium Pulver, Salewa Super Crush, Climbing Technology MgCHALKCOAL, Aliens MAGNESIUM CARBONATE, Rock Technologies  Dry5 Liquid Chalk
vlnr: Stubai MgPRO Chalkball, Black Diamond Chalk Shot Refillable, Aliens Magnesium Pulver, Salewa Super Crush, Climbing Technology MgCHALKCOAL, Aliens MAGNESIUM CARBONATE, Rock Technologies Dry5 Liquid Chalk

Im Folgenden ein kurzes Feedback zu den getesteten Chalks sowie eine Sternebewertung  hinsichtlich Praxistauglichkeit (1 = schlechtes Chalk; 5 = sehr gutes Chalk):

Stubai MgPRO Chalkball:

  • + klassischer Einweg-Chalkball mit erstaunlich guter Chalk-Durchlässigkeit (feines Netz)
  • + großer Chalkball, sehr ergiebig
  • 4 Sterne
  • Fazit: Besonders für’s Bouldern am Fels und in der Halle geeignet. Ideal für Sandstein, da keine so extremen Chalkspuren wie bei Chalk-Pulver hinterlassen werden. Empfehlenswert, wenn es ein Chalkball sein soll!
  • Preis: 2,95 € im Bergzeit-Onlineshop

Black Diamond Chalk Shot Refillable:

  • + sehr kompakt gefüllt und nachfüllbar
  • + laut Hersteller 100 % reines Magnesia ohne chemische Zusätze, daher umweltverträglich
  • -  nur mit sehr feinem Chalk nachfüllbar
  • - überteuert
  • Fazit: Bei diesem Chalkball zahlt man eigentlich viel zu viel für die geringe Füllmenge an Magnesia; den Großteil bezahlt man für den Wiederverschluss (eigentlich nur ein kleiner Tanka-Verschluss aus Plastik) –> schlechtes Preis-Leistungsverhältnis (s. Tabelle). Der einzige Vortel ist, dass man ihn beliebig nachfüllen kann.
  • 3 Sterne
  • Preis: 4,99 € im Bergzeit-Onlineshop

Chalk-Pulver im Test

Aliens Magnesium Pulver:

  • + sehr feines Magnesia (auch für andere Sportarten, z.B. Turner)
  • + haftet sehr gut an den Händen (man hat meistens zu viel Chalk auf den Händen)
  • -  kann bei übermäßigem Auftragen rutschig werden
  • Fazit: Für´s Seilklettern ungeeignet, da man nach einem Griff in den Chalkbag eine viel zu dicke, schmierige Chalkschicht auf den Händen hat, worunter der Grip erheblich leidet. Am ehesten kann man dieses Chalk zum Bouldern in der Halle gebrauchen, da man hier die Chalkmenge auf den Händen besser dosieren kann als beim Seilklettern, wo es meistens schnell gehen muss. Das Mischen mit anderen, körnigeren Chalks kann die Qualität zwar leicht verbessern; wenn das Chalk allerdings feucht wird, haftet es nicht mehr an den Fingern.
  • 2 Sterne
  • Preis: 1,89 € im Bergzeit-Onlineshop

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Salewa Super Crush:

  • + sehr gutes körniges Chalk
  • + braucht den Vergleich mit den Klassikern wie dem “White Gold” von Black Diamond nicht scheuen
  • + sehr guter Grip, rutscht eigentlich nie
  • Fazit: Für sämtliche Sparten des Kletterns geeignetes Chalk. Für die große Füllmenge von 300 Gramm ein richtiges Schnäppchen! Im Kalk entfaltet das Super Crush seine Fähigkeit, die Hände effektiv zu trocknen, am besten. Empfehlenswert!
  • 5 Sterne
  • Preis: 9,95 € im Bergzeit-Onlineshop

Climbing Technology Grey Chalk MgCHALKCOAL:

  • + sicher eines der besten Chalks, die derzeit auf dem Markt erhältlich sind
  • + sehr fein gemahlenes Eco-Chalk mit grauer Farbe
  • + perfekte Reibung auf sämtlichen Gesteinsarten und Klettergriffen
  • Fazit: Absoluter Newcomer unter den Chalks mit großem Zukunftspotential. Trocknet die Hände bereits bei kleinen Mengen sehr effektiv und hinterlässt deutlich weniger Spuren am Fels als weißes Chalk, was der Ästhetik von Gebieten wie Fontainebleau nicht schadet.
  • 5 Sterne – meine Empfehlung
  • Preis: 11,50 € im Bergzeit-Onlineshop

Aliens MAGNESIUM CARBONATE:

  • + in großen Würfel gepresstes Chalk, kann beliebig zerkleinert werden
  • - Reibung eher mittelmäßig (macht die Hände z.T. sehr glatt)
  • Fazit: Standard-Chalk für sämtliche Sportarten, nicht speziell fürs Klettern konzipiert. Für die Halle kann man dieses Chalk getrost verwenden, am Fels kann’s grenzwertig werden, wenn es um den perfekten Grip auf kleinen Griffen geht.
  • 2 Sterne
  • Preis: 1,79 € im Bergzeit-Onlineshop

Rock Technologies Dry5 Chalk Pulver:

  • + fein gemahlenes Chalk mit guter Reibung
  • + rutscht trotz seiner Feinheit nicht
  • mit körnigem Chalk gemischt ergibt sich eine perfekte Magnesia-Kombination
  • Fazit: Eines der wenigen feinen Chalks, dass mit dem körnigen Magnesia mithalten kann. Anders als die meisten feinen Chalks wurde das Dry5 Chalk Pulver extra fürs Klettern entwickelt.
  • 4 Sterne
  • Preis: 6,90 € im Bergzeit-Onlineshop

Liquid-Chalk im Test

Rock Technologies Dry5 Liquid Chalk:

  • + haltbares Flüssigchalk mit guter Reibung
  • -  muss sparsam dosiert werden, wird sonst rutschig
  • Fazit: Beim Deep-Water-Solo auf Mallorca hat mir dieses Flüssig-Chalk schon beste Dienste erwiesen. Haftet sehr gut an den Händen und hält dadurch sehr lange.
  • 4 Sterne
  • Preis: 9,90 € im Bergzeit-Onlineshop

Die Ergebnisse des Chalk-Tests

Hier die Ergebnisse im Überblick – man beachte die  gewaltige Preisspanne zwischen 2,30 und über 12 € pro 100 g!

Preis Sterne
Climbing Technology Grey Chalk Pulver 10,00 €/100g *****

TESTSIEGER

Salewa Super Crush Pulver 2,32 €/100 g *****

bestes Preis-Leistungsverhältnis

Stubai MgPRO

Ball

Einweg

4,92 €/100 g ****
Rock Technologies Dry 5

Liquid Chalk

flüssig 3,96 €/100 ml ****
Rock Technologies Chalk Dry 5

Pulver 2,30 €/100 g ****
Black Diamond Chalk Shot Refillable Ball

nachfüllbar

12,48 €/100 g ***
Aliens Magnesium Carbonate Pulver Pulver 3,44 €/100 g **
Aliens Magnesium Carbonate Würfel Würfel 3,20 €/100 g **

Fazit:

Unter den acht getesteten Chalksorten stach eindeutig das Grey Chalk hervor, leider zugleich die teuerste Marke, dicht gefolgt vom Salewa Super Crush, dem zweitbilligsten Produkt, das mich wirklich überrascht hat! Chalkballs sind in der Halle ein notwendiges Übel, hier lohnt sich der Preisvergleich bzw. das Nachfüllen! Allerdings sind viele Chalkballs stark überteuert.


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