Bergzeit Kletterteam

Klettern – inspired by nature

Exkursion ins ewige Eis: Überschreitung Wilder Freiger (3418 m)

Zugegebenermaßen machte mich der Gedanke nervös, die ersten beiden sonnigen und trockenen Ferientage nicht am Fels, sondern am Eis zu verbringen – noch dazu bei einem althergebrachten “Grundkurs Gletscher” beim Tölzer Alpenverein. Um es vorwegzunehmen: ich hab es nicht bereut.

Unser Stützpunkt war die Sulzenauhütte (2196 m), die man von Neustift über die Grabaalm und den landschaftlich schönen Sulzenau-Talkessel in eineinhalb bis zwei Stunden erreicht (600 hm).

Grau wie der Fels: Tiroler Grauvieh

Grau wie der Fels: Tiroler Grauvieh im Sulzenau-Talkessel

Nach einer langen Nacht im Lager starten wir um sieben Uhr Richtung Wilden Freiger über die Leo-Schöpf-Route. Die Tourenauswahl von FÜL Anderl war genau richtig – hier sind wir an dem wolkenlosen Tag als einzige Seilschaft unterwegs. Der erste Teil des Anstiegs verläuft allerdings ohne Seil: Von der Hütte geht es Richtung Osten über den Sulzenauer Bach zum “Übergschritt”, danach muss man 50 Meter absteigen, um das ausgeaperte Becken des Freigerferners bzw. dessen Seitenmoränen zu erreichen. Auf der orographisch linken Seite eines Baches erreicht man vom Gletscher glattgeschliffene Platten, die mit Hilfe eines kleinen Klettersteigs (Seilversicherung, Trittbügel) überwunden werden.

Auf dem Leo-Schöpf-Weg kurz nach dem Klettersteig

Danach folgt ein etwas mühsamer “Hatscher” auf steilen Randmoränen (immer auf der orographisch linken Seite des Ferners) bis zum eigentlichen Gletscherplateau.

Endlich Eis in Sicht! Freigerferner und unser Gipfelziel

Angeseilt und mit Steigeisen bewehrt habe ich die Ehre, das am Vortag angelernte Wissen über Spalten,  Pickel- und Steigeisentechnik in der Praxis anzuwenden, indem ich die vierköpfige Gruppe (natürlich überwacht vom FÜL) über das Eis führen darf. Es ist auch auf 3000 m üNN noch ziemlich warm – für uns angenehm, für den Gletscher wohl weniger…

Über einen großen Bogen nach Südosten, dann wieder nach Südwesten erreichen wir den Gipfelgrat, einen teilweise von Neuschnee bedeckten Blockgrat (I). Nach fünf Stunden Anstieg (inklusive Pausen) genießen wir am höchsten Punkt den grandiosen Blick  auf die Stubaier und Zillertaler Alpen.

Für den Rückweg zur Sulzenauhütte ist der Weg über den Grüblferner und die Seescharte genial, weil man hier viele Höhenmeter über steile Schneefelder abfahren kann (wenn man die Technik beherrscht, sonst wird’s eine Schlittenfahrt auf dem Rücken). Um halb fünf Uhr nachmittags erreichen wir über den Normalweg und den malerisch an der Hangkante gelegenen Grünausee wieder die Hütte. Ein super Tag in einer traumhaften Landschaft – und für mich als Felskletterer eine tolle Abwechslung, die ich mir in Zukunft öfter mal geben werde!

PS: Geheimtipp: Ohne meine Lieblingsriegel, die Engergize Bar Berry Blast von PowerBar,  hätt’ ich die 1300 Höhenmeter nicht so problemlos geschafft, sie helfen bei Hungerkrisen und Konditionstiefs (und schonen nebenbei die Kasse bei den gesalzenen Preisen auf AV-Hütten)

Mal was Anderes als Schleier und Ziller: auf 3418 m üNN

Traumhafter Gipfelblick

Der Gipfelgrat - im Hintergrund die verfallene Zollhütte am Signalgipfel

Der Freiger vom Normalweg über die Seescharte aus gesehen (Abstieg)

Der himmelblaue Grünausee - leider zu kalt zum Baden

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