Hofpürgl – alpiner Klettergarten mit 270°-Panorama
Klettern mit der ganzen family – das war schon oft ein schwieriges Unterfangen mit Konfliktpotenzial: Wo findet man Routen zwischen 5 (für meine kleine Schwester) und mindestens 9 (für mich) auf engstem Raum, in einer landschaftlich schönen Umgebung, d.h. kein “Dreckloch” als Einstieg, ohne großen Andrang (für meine Eltern) – und das in den Sommerferien!
Der Zufall führte uns Anfang September kurzentschlossen gen Osten ins Dachsteingebirge; für uns absolutes Neuland, das sich jedoch als Juwel entpuppen sollte. Oberhalb von Filzmoos steht am Fuß der Bischofsmütze die Hofpürglhütte (Betonung auf “pürgl”), geführt vom Diplom-Ingenieur Heinz Sudra – Hüttenwirt, Bergführer, Chemiedozent an der Uni und besessener Neulandsucher in einer Person. Zwischen Küchenbetrieb, Bedienen der Wanderer und Versorgung der Hütte findet er anscheinend immer Zeit, eine Route einzurichten (auf eigene Kosten!) und Klettertopos zu verfassen (auf der Hütte sowie unter bergsteigen.at erhältlich). Seinem Engagement ist es zu verdanken, dass in 5 bis 25 min Gehzeit von der Hütte 18 Sektoren, gespickt mit an die 250 Routen, vom 1-er bis zum oberen 9. Schwierigkeitsgrad, auf Anfänger und Cracks warten. Der Fels ist bombenfest, teilweise wasserzerfressen, die Routen liegen je nach Gusto in der Sonne oder im Schatten, sind bestens abgesichert und sogar mit Namensschildern versehen.
Als größten Luxus empfanden wir jedoch, dass wir an den drei Tagen Traumsektoren ganz für uns alleine hatten. Im Hochsommer und am Wochenende mag mehr los sein, unter der Woche begegneten wir im Anstieg nur drei anderen Seilschaften. Da sowohl die Hütte in unmittelbarer Nähe mit Suppen, Knödeln und Strudel lockt als auch in alle Richtungen gewandert werden kann, konnten sich jene Clanmitglieder gut “abseilen”, deren Kletterbegeisterung nach fünf Stunden nachlässt.
Nun zum eigentlichen Thema, dem Klettern: Am ersten Tag war es etwas schwierig, sich im Labyrinth der Türme, aufgestellten Platten und “Zähne” zurechtzufinden, doch dank des Topos und der Insidertipps von H. Sudra fand und toppte ich einige lohnende Routen, u.a. “Heb ab Hias” (7b+ onsight),” Black Jack” (7b+, 2nd go) und “Mauerläufer direkt” (7a, onsight).
Am dritten und letzten Tag lockte mich im Sektor Showtime eine schwere Tour, die der Hüttenwirt erst ein paar Tage zuvor eingerichtet und erstbegangen hatte. Nach dem warmup in “Go Karli go” (7c+, 2nd go) packte ich zu meiner (und seiner) Überraschung auch die erste Wiederholung der Neutour im zweiten Anlauf. Beim verdienten Apfelstrudel auf der Hütte einigten wir uns auf den Schwierigkeitsgrad 8a, Sudra gab ihr den Namen “Praseodym” (eines der Erdelemente, hier brach wieder der Chemiker durch). Mit der Bitte, er möge noch viele schwere Linien dieser Art einrichten (das Gebiet gibt es her), verabschiedeten wir uns schweren Herzens von diesem Paradies – Sudra mit der Perspektive auf sechs Wochen Klettern in der Provence ohne den Stress eines Hüttenwirtdaseins, ich auf sechs Wochen Schule…
Eins ist sicher: “Hofpiagl – i kimm wieda!” (wenns sei muaß a mit family)
Info:
Hofpürglhütte 1705 m üNN, OeAV Sektion Linz, Tel. 0043/6453/8304, geöffnet Juni bis Anfang Oktober
Anstieg: von Filzmoos – Mautstraße Aualm (1366 m) – ab hier max. 45 min (Steig durch Schneerosenfelder, auch was für Botaniker!)
Tipp: Sektor Showtime (Helm!); auch alpine Mehrseillängen-Routen wären möglich









