Bergzeit Kletterteam

Klettern – inspired by nature

“Jenseits von Jena” (fb 8a bloc), Atlantiswand

Wenn draußen die Minusgrade zweistellige Werte erreichen, zieht sich jeder normale Mensch aufs Sofa in der warmen Wohnung zurück. Da Boulderer jedoch generell das “Normalo”-Dasein verweigern, gehen sie besonders gerne bei Schnee – oder noch besser bei Schneesturm – ihrem etwas anderen Vergnügen nach. Der einfache Grund: Der “Grip” ist bei trockener Kälte besser als im warmfeuchten Sommerklima, d.h. die Griffe “halten” besser.

Winter...

Es grippt!

Den guten Grip musste ich am vorletzten Tag der Weihnachtsferien nutzen, um mein Projekt “Jenseits von Jena” (fb 8a bloc)  erneut in Angriff zu nehmen. Mit Peter Naumann alias “Bäda” stapfe ich also bei Nebel und -15 °C von Altjoch zur Atlantiswand hinauf.

Da beim “Aufwärmen” die Durchblutung meiner Finger einfach nicht in Schwung kommen will,  sondern sie sich im Gegenteil noch weiter abkühlen, verzichte ich auf weitere “warm-ups” und lege unsere crash-pads gleich im Staub unter dem “Jenseits” aus . Auch nach einer Stunde Ausbouldern haben meine Finger noch nicht die Normaltemperatur erreicht – aber vielleicht wird man als Winterboulderer ja irgendwann einmal wechselwarm, das wäre die Lösung :-) !

Ansetzen zum Schlüsselzug!

Nach Mittag lichtet sich endlich die berühmte Kochler Nebelsuppe für ein paar Minuten, die Chance gilt es zu nutzen! Ich starte einen Versuch, bringe den Schlüsselzug (ein weiter Schulter-Blockierer) erstaunlich easy hin, scheitere aber am letzten und leichtesten (!) Zug des 9-Züge-Boulders, indem ich den Endgriff verfehle.

Bam Oida!

Nach fünf Minuten liege ich (endlich mit warmen Fingern!) erneut  in meiner kuscheligen Felsspalte am Start. An der Crux falle ich fast ab, kann mich aber wieder in eine stabile Position bringen.  Beim letzten, entscheidenden Zug explodiere ich regelrecht – ich feuere gezielt auf den Endgriff und halte ihn diesmal. Das “Jenseits” ist erreicht! Im nächsten Augenblick falle ich auf zurück auf den kalten, staubigen Boden der Tatsachen, sprich den Wandfuß von Atlantis (diesmal ohne nachfolgende Schlittenfahrt auf der Matte…).

Fazit: Blutige Finger, Staublunge und vollwaschgangwürdige Klamotten sind der Preis für einen Ausflug ins Kochler Jenseits, aber es lohnt sich! Mercy an Bäda (von ihm sind auch die Fotos) und Nobby!

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