Klettern an der Spiegelwand im Zillertal – “Der gespiegelte Vater” (8+)

Nachdem in einer der älteren “CLIMB!”-Ausgaben ein Bericht über die einsame Spiegelwand im hintersten Zillertal erschienen war, war für mich schon nach dem ersten mal lesen klar: Da müssen wir hin!

Die Spiegelwand im Schlegeisgrund

“Der gespiegelte Vater” (8+)

Gedauert hat es dann allerdings noch fast zwei Jahre, bis ich mich endlich mit David dazu durchringen konnte, dem Alpin-Geheimtipp einen Besuch abzustatten. Alle Touren an der Spiegelwand wurden von Darshano (L. Rieser) und Co. in den letzten Jahren erstbegangen – nur unter Verwendung von Normalhaken bzw. mobilen Sicherungsmitteln. David und ich entschieden uns für die Route “Der gespiegelte Vater”, einer 8+ im linken Wandteil, die im “CLIMB!” – Bericht als eine der schönsten alpinen Routen in den Zillertalern angepriesen wird.  Benötigt werden laut Darshano außer 15 Expressen und ein paar Bandschlingen keine weiteren  Sicherungsmittel.

Der Zustieg zur Spiegelwand…

…wird im Artikel mit einer Stunde Gehzeit angegeben, wir benötigten allerdings fast zwei Stunden. Zwar ließen wir es eher langsam angehen, dennoch ist eine Stunde Zustieg dann doch recht knapp bemessen. Routinierte Geher rennen bestimmt in 60 Minuten da hoch, wer lieber etwas langsamer geht, darf jedoch mit (maximal) zwei Stunden rechnen. Zum Glück war auf der Website von Darshano sehr gut beschrieben, wie man zur Spiegelwand gelangt, sodass der Zustieg über den Jägersteig in das äußere Spiegelkar reibungslos ablief.

Die einzelnen Seillängen

Die Route startet bei einem länglichen Wandvorbau rechts von drei markanten Wasserstreifen in einer Platte.

  • 1. Seillänge (3): Vom Wandvorbau geht es 20 Meter gerade hoch über eine Platte ohne Haken, bis man eine nach rechts geneigte Rampe erreicht. Auf dieser befindet sich ein Normalhaken. Von diesem in wenigen Metern zum Stand, der sich ebenfalls etwas höher auf der Rampe befindet (2 Normalhaken + Schraubschäkel). Achtung: Wenige Meter unter dem Stand zweigt die Route “Der gestiefelte Kater” (7-) nach links ab, Seilschlingen sind sichtbar.
  • 2. Seillänge (7-): Vom letzten Stand zieht eine kleine Verscheidung nach oben, die links durch eine glatte Platte begrenzt wird. Zuerst klettert man ein paar Meter in der Verschneidung (einige Normalhaken) und begibt sich dann nach links in die Platte, die von einem Fingerriss durchzogen ist. Der Fingerriss und der Übergang von diesem in den Riss nach links ist die Crux dieser Seillänge. In der Schlüsselstelle fiel der wichtigste Haken beim Klippen aus der Wand, sodass jetzt an dieser Stelle ein lila Camelot zur Absicherung im Riss fast unerlässlich ist! Im Fingerriss befindet sich jetzt nur noch ein Haken… Nach der Crux erreicht man in ein paar Metern rechts oben den Stand zu Beginn einer markanten rampenartigen Verschneidung (2 Normalhaken).

David in der zweiten Seillänge (7-). Durch die Platte links über ihm verläuft die Schlüsselstelle der Länge über einen Fingerriss. Auch da kam uns ein Normalhaken entgegen…

 

  • 3. Seillänge (4): Man folgt nun der wunderschön griffigen, rampenartigen Verschneidung nach rechts oben (1 Normalhaken), bis man auf ein Band gelangt. Auf diesem befindet sich ganz rechts ein paar Meter weiter zu Beginn der Schlüsselseillänge der Stand (2 Normalhaken).
  • 4. Seillänge (8+): Eine der beeindruckendsten alpinen Seillängen, die wir je geklettert sind! Gleich zu Beginn muss man sich wie in einem Kamin eine offene Verschneidung hinaufarbeiten (einige Normalhaken). Anschließend geht es über einen pumpigen, yosemite-artigen Piazriss (viele Normalhaken) weiter in der Verschneidung nach oben, bis einem schließlich ein gewaltiges, nach links ziehendes Dach den Weg versperrt. Nun quert man unter dem gesamten Dach hindurch in sehr athletischer und äußerst anspruchsvoller Kletterei (viele Normalhaken, z.T. zwei miteinander verbunden) nach links hinüber, bis das Dach aufhört und wieder nach oben in eine Verschneidung übergeht. Dort befindet sich der Stand (2 sanduhrartige Köpfelschlingen + 1 Normalhaken). Die Tritte in dieser Seillänge sind leider zum Teil etwas sandig, was der Reibung aber eigentlich keinen Abbruch tut.

David stemmt sich in der Yosemite-artigen Schlüsselseillänge nach oben

David zu Beginn des anspruchsvollen Dachquergangs in der Schlüsselseillänge (8+)

Den schwierigsten Teil der Crux-Länge hat David noch vor sich…

  • 5. Seillänge (7-): Zuerst die überhängende Verschneidung ein paar Meter gerade hoch (2 Normalhaken), bis man auf ein Band gelangt. Von dort beginnt nach wenigen Metern Wandkletterei (Normalhaken) oberhalb eine kleine, leicht nach links überhängende Verschneidung (viele Normalhaken, z.T. mit Seilschlingen), die durchaus anspruchsvolle Stellen aufweist und in der man in die Trickkiste greifen darf… Am Ende der Verschneidung gelangt man zum Stand auf einem Band (2 Normalhaken), das nach rechts hin immer breiter wird.

David steigt die 5. Seillänge (7-) nach

  • 6. Seillänge (6-): Vom Stand nach rechts, bis das Band in einer Verschneidung endet, welche man hochklettert (1 Normalhaken). Danach erst rechts und dann links haltend über große Schuppen und Köpfl (fixe Seilschlingen) bis zum Ausstieg der Route in verblocktem Gelände. Dort ist kein Standplatz mehr eingerichtet, man kann jedoch sehr gut einen Köpfl-Stand an einem der großen Blöcke machen.

Der Abstieg

Im “CLIMB!” werden zwei Möglichkeiten angegeben: Abseilen über eine der Routen oder Abstieg zu Fuß nach Westen einmal um die Spiegelwand herum und zurück zum Einstieg. Wir entschieden uns für den Abstieg zu Fuß (Schuhe mitnehmen!). Dabei geht man über schöne Bergwiesen vom Ausstieg immer bergab, bis man das westliche, also quasi unterste Ende der Wand erreicht hat, von dort folgt ein Gegenanstieg zurück zu Einstieg (maximal 45 Minuten). Abseilen über eine der Routen ist unserer Meinung nach nicht empfehlenswert, da man über den “Gespiegelten Vater” nur schlecht abseilen kann und die Ausstiege der anderen Touren nur schwer zu finden sind.

Auf dem Weg zurück zum Einstieg

Fazit und Kurzinfos:

“Der gespiegelte Vater” ist mit Sicherheit eine der lohnendsten Touren in den Zillertaler Alpen, allerdings ist es von Vorteil, wenn man die verlangten Schwierigkeiten einigermaßen sicher klettern kann. Mit Sportklettern hat die Route auf jeden Fall nichts zu tun und es empfiehlt sich, einige kleine und mittlere Friends mitzunehmen, um sich ab und zu etwas sicherer zu fühlen.

Facts zu “Der gespiegelte Vater”

  • Schwierigkeit: 8+ frei, schwere Stelle auch A0 möglich
  • Erstbegeher: Darshano L. Rieser, Anderl Aschenwald, Peter Summerer, Franky Heim (2009)
  • Charakter: anspruchsvolle und schwere Alpinroute ohne Bohrhaken
  • Material: 16 Expressen, kleine und mittlere Friends, Bandschlingen

 

Topo zur Spiegelwand:

 

Beeindruckendes Panorama in die Zillertaler Bergwelt – vom Spiegelkar aus gesehen

 

 

 

 

 

 

 

 

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2 Kommentare

  1. Bravo Bene und David,
    Gratulation zur 1. Wiederholung der Route “Der gespiegelte Vater”, noch dazu ONSIGHT! Es freut mich, wenn die jungen Shooting-Stars des Kletterszene alpine Abenteuer-Routen klettern und das bohrhakenfreie Klettern dann auch noch genießen können. Cool! Von euch wird man sicher noch viel zu hören bekommen!
    Keil am Seil,
    Darshano
    =|:)
    PS:
    Bin schon gespannt, welche meiner Testpiece-Routen ihr euch als nächstes reinziehen werdet!

  2. ihr wuidn hund!
    david ois guade zum burzldog!
    gruaß woschtl

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