Bergzeit Kletterteam

Klettern – inspired by nature

Kletterneuland: Eine Woche Arrampicare im Friaul

Was macht der Tölzer Kader, wenns daheim schifft? NEIN, nicht nach Arco fahren, auch nicht in die Fränkische, sondern ins Friaul am südöstlichen Rand der Alpen. Eimal durch den Tauerntunnel und vorbei an Villach, und schon passt’s, das Wetter.

Unser Stützpunkt war ein kleiner, mehr oder weniger privater Campingplatz in Anduins. Es gibt aber auch einige Ferienwohnungen im Gebiet, die von balconesulfriuli.it vermittelt werden. Es handelt sich um das Projekt “Albergo diffuso”, bei dem alte, leerstehende Häuser und Wohnungen in Dörfern und Weilern renoviert und an Gäste vermietet werden. In der unmittelbaren Umgebung von Anduins liegen – versteckt im Dschungel – vier Klettergärten, andere können mit dem Auto in 30 bis 60 min Fahrzeit erreicht werden (Führer: Arrampicare in Friuli. Die besten Sportklettergebiete von Tarvis bis Udine. Edition Neumann). Obwohl es in der Woche ziemlich heiß (das Gebiet liegt auf ca. 300 m üNN) und nicht immer trocken war, fanden wir jeden Tag was zum Klettern. Wenn mal gar nichts geht, erreicht  man mit dem Auto in 10 min super Gumpen mit 10 m hohen Sprungfelsen. Das Wasser war ziemlich erfrischend (15° ?), hat aber Trinkwasserqualität. Wer keine Lust zum Kochen hat, findet in der Umgebung gute und billige Pizzerien (Pizza Margherita 3.50 €).

Einziges Manko in meinen Augen: Die Landschaft ist ziemlich verwildert und verbuscht, freie Berghänge oder gar Gipfel gibt’s erst weiter nördlich. Die Dörfer und Kletterfelsen liegen wie Inseln in einem tiefen Dschungel aus Gestrüpp, Brombeerranken und Lianen, was aber auch eine gewissen Reiz hat (wenn man dort nicht immer leben muss)… Außerdem darf man nicht versäumen, sich mit Mückenspray einzureiben, bevor man das am besten mückensichere Zelt verlässt. Mücken und winzig kleine Stechfliegen sind sonst schneller (und gnadenlos!).

Die Kirche direkt am Fels im Gebiet von Braulins (Sektor St. Michele)

Die besten Klettergebiete:

Braulins – athletische Kletterei an Überhängen (unser Lieblingsgebiet in dem Urlaub)

  • großes Gebiet mit fast 100 Seillängen
  • 90 Routen, Wandhöhe 15 bis 35 m, Südost, Nord, Einstiegsbereich großteils schattig
  • Schwierigkeit ab 5a, Schwerpunkt bei 6c bis 7c+, schwerste Route 8a+
  • großteil festes Kalkkonglomerat, senkrecht bis überhängend, athletische Ausdauerrouten, viele Löcher
  • gute Absicherung mit Bohrhaken, Kettenständen und Karabinern
  • beste Jahreszeit: Frühjahr und Herbst, geht aber auch im Sommer
  • bei Regen teilweise Klettern möglich, Fels trocknet nach Niederschlägen stellenweise sehr langsam
  • Zustieg von Braulins 5 – 15 min (Parken am nördlichen Ortsende beim Erdwall)
  • PS: wir hatten die Felsen fast immer für uns alleine!

Unser Youngster Philipp geht ab im Kalk-Konglomerat von "Bombastik" (7c)

Pink eremo (7c+)

Masarach – was für die Mädels

  • liegt direkt bei Anduins im Val d’Arzino, Zustieg 0 – 5 min, Parkplatz vorhanden
  • 140 Seillängen, 139 Routen von 4c bis 7c+, Schwerpunkt 5a bis 6b
  • Ausrichtung Süd, Wandhöhe 25 bis 35 m, Einstiegsbereich teilweise sonnig
  • teilweise etwas glatte Routen, meist senkrecht, stellenweise überhängend, fester Kalk
  • Absicherung sehr gut (Klebehaken, Kettenstände)
  • beste Kletterzeit Frühling und Herbst, nicht bei Regen, trocknet aber sehr schnell ab

Travesio – für jeden was dabei

  • 43 Routen von 4c bis 8a (1 Route), Kalk und festes Kalkkonglomerat, Südost, Einstieg z.T. schattig, Wandhöhe 10 bis 25 m
  • senkrecht bis leicht überhängend, Ausdauerrouten an Löchern und Leisten, sehr gute Absicherung
  • Frühling, Sommer, Herbst, nicht bei Regen, trocknet langsam (v.a. die Löcher im Konglomerat)
  • Zustieg 1 min

Gemona – Kunstgriffe sind Geschmackssache

  • 46 Routen 4c bis 8a, kompakter gelber und grauer Kalk, senkrecht bis leicht überhängend, gut abgesichert
  • Ausdauertouren an Leisten und Löchern (ganz rechts leichtere Plattentouren)
  • Frühling bis Herbst, Einstieg teilweise schattig, nicht bei Regen, trocknet langsam
  • Gehzeit unten 2 min, oben 8 min, Parkplätze im Zentrum von Gemona

Für die ausgewogene Ernährung (Eiweiß!!!) ist übrigens auch gesorgt: Mit Bambusstecken und ohne Angelschein haben wir in kürzester Zeit zig Forellen aus einem Fischweiher geholt (gegen Bezahlung natürlich). Das anschließende Ausnehmen war wiederum nichts für die Mädels unter uns… (kotz^^)

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