Bergzeit Kletterteam

Klettern – inspired by nature

Mein letzter Wettkampf…

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Die Kehrseite der Wettkampfarena

Eigentlich wollte ich am Wochenende lieber nach Arco fahren, aber wenn schon ein Deutscher Jugend- und Juniorencup in erreichbarer Nähe (am 21. Juni 2009 in Kempten) stattfinden sollte, raffte ich mich auf und meldete mich in der ziemlich großen und starken Startgruppe der Jugend B an.

Der Tag begann vielversprechend – bei Ankunft in Kempten regnete es in Strömen. Die Kälte und die Wand im Freien behagte mir sogar, denn Hallenwettkämpfe bei 30 ° sind mir ein Graus. Beim Anblick des riesigen, gestuften Daches wurde mir ziemlich mulmig, denn meine Stärke sind nicht gerade kraftraubende Blockierer. Nach dem Aufkleben der Startnummern auf unsere Hosen wärmten wir uns im Boulderraum auf und harrten der Dinge.

Die ersten beiden Qualirouten (Schwierigkeitsgrad ca. 9 bzw. 8+/9-)  fielen mir erstaunlich leicht. Ich konnte sie ohne Fehler toppen und ging zusammen mit vier anderen Kletterern mit Rang 1 ins Finale. Mittags verschlangen wir eine Leberkassemmel (ideale Sportlernahrung??) und verzogen uns nach der obligatorischen, kurzen Routenbesichtigung in die Isolationszone (Boulderraum in Untergeschoss). Dieses lange Warten auf den Start ist einer der Gründe, warum ich keinen großen Gefallen mehr an Wettkämpfen finden kann (auch wenn’s meistens ziemlich lustig zugeht hinter den Sichtschutzplanen). Außerdem stört mich das wochenlange Hallentraining zur Vorbereitung (ich gehe lieber an den Fels). Die Wettkampfwochenenden kosten daneben viel Zeit und Geld für Anfahrt und Übernachtung. Spaß macht allerdings, dass ich Kletterer in meinem Alter aus ganz Deutschland kennenlerne bzw. meine Teamkollegen vom Bayernkader treffe.

Routenbesichtigung der Finalisten

Routenbesichtigung der Finalisten

Nun wieder zu Kempten: Nach ca. zwei Stunden schier endlosem Warten in der Isolation war ich “endlich” an der Reihe. Mein Sicherer stand schon bereit und führte mich wie ein Kalb an der Leine in die Wettkampfarena. Durch das Geschrei des Publikums wurde ich allmählich wieder wach. Dann muss ich wohl…

Die ersten Züge fallen mir sehr leicht, dann folgt das erste Dach. Große Griffe – nicht schlecht. Die Wand wird steiler, die Arme schwächer. Die Hälfte ist geschafft, als meine Unterarme schon ziemlich gepumpt sind. Die Abfolge der Dächer fordert ihren Tribut. Beim letzten Dach, drei oder vier Griffe vor dem Umlenker, will ich clippen – so, das war die falsche Position! Langsam kippe ich aus der Wand. Ich stürze, das war’s! So kurz vor’m Ziel! Zu meinem Trost konnten auch die anderen Finalisten die Route (Schwierigkeitsgrad 10-/10) nicht toppen.

Die Finalroute (Foto: Matthias Keller, DAV)

Meine Finalroute (links) (Foto: Matthias Keller, DAV)

Die Ergbnisse wurden bald ausgerufen: Rang 4   – ich bin hochzufrieden! Die ersten drei Plätze teilten die Cracks Sebastian Halenke, Sammy Adolph und Chris Hanke unter sich auf. “Wir sehen uns spätestens auf Mallorca!”, ruft mir Chris beim Abschied zu (Landeskaderlehrgang im Herbst). Das ist mir auch lieber als in einer überfüllten, lauten Halle unter Wettkampfbedingungen!

kempten

Siegerehrung - 4. Platz

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