Schlittenfahren an der Atlantiswand;)

Peter und Nobby im Sektor "Sonne, Mond und Sterne
Die Kochler Wände sind so etwas wie eine zweite Heimat für mich, besonders die Rockywand, denn an ihr habe ich meine erste 8a, 8a+ und 8b getoppt. Bouldern war ich komischerweise noch nie.
Nobby Herrmann, einen altgedienten Kochelkenner und Weggefährte von Toni Lamprecht, war es, der mich einlud, doch einmal mit ihm an der Atlantiswand zu bouldern. Wir kennen uns schon seit längerem von gemeinsamen Bouldersessions in der Tölzer Kletterhalle.
Nobby hilft…Anfang Dezember 2009, nach einer der kältesten Nächte des Jahres (-15 °C), wechselten wir (zugegebenermaßen zögerlich) den warmen Boulderraum gegen die tiefgefrorenen Kochler Felsen, die in dieser Jahreszeit kaum einen Sonnenstrahl abbekommen.
Ausgerüstet mit Expeditions-Daunenjacke, Thermohose und anderem wärmenden Equipment stapfen Nobby, Peter Naumann (mein Trainer, Mann von Marietta Uhden und ehemaliger Nationaltrainer) und ich durch den knietiefen Schnee Richtung Atlantiswand. Im oberhalb gelegenen Sektor “Sonne, Mond und Sterne” erblicken wir Wärme verheißende Sonnenstrahlen, also tragen wir die Matten noch ein Stockwerk höher . Zwei Stunden Sonne sind uns vergönnt, dann verschwindet unsere Wärmequelle hinter dem Herzogstand – ein gewaltiger Temperatursturz ist die Folge.
Wastl halb erfroren in “Jenseits von Jena”Um die guten Bedingungen zu nutzen (der Grip ist bei Kälte am besten), steigen wir ab zum Sektor Antonator, dem Hausgebiet von Toni Lamprecht. Hier treffen wir ein weiteres Kälteopfer, Wastl Unteregelsbacher. Zusammen nehmen wir den Boulder “Jenseits von Jena” (8a fb) ins Visier. Nach drei Stunden Bouldern, mit zahllosen Tassen heißem Tee im Bauch und unterkühlten Zehen starte ich meinen letzten Versuch im “Jenseits” – erfolglos. Ich hole mir nur noch kältere Finger…
Gicht?Auch wenn meine Hände und Füße inzwischen gefühllos sind, möchte ich wenigstens noch eine 7b-Boulder mit dem passenden Namen ”Schneeflittchen” durchziehen. Ich lasse mich auf dem Crashpad nieder um die Kletterschuhe anzuziehen, als sich plötzlich die Matte mit mir auf dem vereisten Untergrund hangabwärts in Bewegung setzt – unter mir lauert ein baumdurchsetzter Steilhang, der eine rasante Abfahrt Richtung Erdbeerwand verspricht… Mir bleibt nichts anderes übrig, als meine eh schon eiskalten Hände und Füße in das Eis-Staub-Gemisch am Boden zu krallen. Erst nach fünf Metern schaffe ich es, die an Geschwindigkeit zunehmende Fahrt zu stoppen. Meine drei Begleiter sind begeistert von meiner Showeinlage und kriegen sich nicht mehr vor Lachen. Vor der Wiederholung des Tricks sei gewarnt – noch einen Meter weiter und es wäre ziemlich abgegangen mit der Matte und mir!
Resüme des Bouldertages: Saukoid, aber aa sauschee und a Saugaudi - nur wos füa harte Burschn!
Die Startrampe für Matten-Schlittenrennen