St. Leger Klettern in Südfrankreich

Um den tristen Alltag und dem schlechten bzw. kalten Wetter in Deutschland zu entkommen, packten Chris und ich die Sachen und fuhren nach einer eher spontanen Planung in Richtung Südfrankreich, genauer gesagt nach St. Leger, einem für seine langen und sinterhaltigen Touren berüchtigtes Klettergebiet. Die Vorfreude war so groß, dass wir ein bisschen überstürzt schon am Abend vorher losfuhren und einen nächtlichen Stopp in der Schweiz einlegten. Endlich nach gefühlten 10 Stunden Autofahrt kamen wir schließlich zur Mittagszeit in St. Leger an.  Es regnete zwar, aber davon ließen wir uns nicht beeindrucken und legten sofort los um endlich mal wieder ein bisschen Fels auf der Haut zu spüren.

DSC02295

Ich war absolut begeistert! Eine wunderschöne Gegend und überall Felsen – soweit die Augen reichen. Wer sich das Topo anschaut, dem wird schnell klar, dass es schwierig werden würde in sieben Tagen alles gesehen zu haben. Da um uns herum alles nass war, blieb uns nichts anderes übrig als mit einer superschönen und sehr abwechslungsreichen 7b+ „Le Psikapathe“ loszulegen. Danach ging es weiter mit einer 7a+ „Jamais Deux Sans Trois“, die komplett nur aus zwei parallel verlaufenden  Sintern bestand, welche dazu auch noch komplett glatt aussahen. Mit der gewissen Technik war auch diese Tour zu meistern  – eine absolute Muss- Tour in St. Leger. Abgerundet wurde unsere Eingewöhnungsrunde mit einem knallharten Technikeinlauf. “Sumos Joueurs d’Epee“ nennt sich das gute Stück und besteht aus einem einzigen, großen und markanten Sinter.  Die Bewertung (7b) ist hier eher nebensächlich, da diese Tour Bewegungen abfragt, mit denen man kaum jemals davor konfrontiert wurde. Sicher wird der ein oder andere Franzose locker über so DSC02310eine Tour tänzeln, aber seid gewarnt, der Schein trügt.  Langsam aber sicher wurde es dunkel und so traten wir den Rückweg zum Auto an.

In den folgenden 3 Tagen verbrachten wir unsere Zeit überwiegend in dem Sektor La Farce Tranquille, der mit Ausnahme von einzelnen Touren recht trocken war. Die besondere Eigenschaft dieses Sektors ist sein Mittelstück, welches aus einer Aneinanderreihung von mehreren Touren im unteren 10ten Grad/ oberen neunten Grad besteht. Ein absoluter Traum für jeden, der kurze und leicht überhängende Boulderrouten bevorzugt. Aber auch von  7as und 7bs gab es jede Menge. Die meisten waren sehr lang und pumpig, enthielten dafür aber jede Menge sehr schöne und abwechslungsreichste Züge- echt empfehlenswert wie z.b. „Sale Fee Mal Brossee“. Da die Touren insgesamt stark überhängen, war man zum Glück nicht so stark an das Wetter gebunden- es gab bei jedem Wetter auf jeden Fall ein Stück trockener Fels. Und wenn es nicht ganz so trocken war: Ein bisschen Chalk und ein bisschen Biss können auch bei feuchten Griffen Wunder bewirken …

Die anderen 3 Tage verbrachten wir in den oberen Sektor Praniania. Ein sehr schöner, abwechslungsreicher Sektor. Benannt wurde er nach dem Klassiker „Praniania“, eine 35m lange 8b, mit einem sehr weiten Run-Out zur Umlenkung. Echt spektakulär, wenn da oben einer vor der Umlenkung nochmal fällt. Der Sektor hat so ziemlich alles zu bieten von steilen Überhängen über Verschneidungen und Platten. Ich musste unbedingt in eine 6c +„Mythoplastique“, weil sie mich sehr stark an Boux erinnerte- kaum Tritte, viel Reibungsklettern, weite Hackenabstände und extrem technisch. Eine echte Sternchentour. Eigentlich waren die 6 Tage viel zu kurz, um so ein großes Gebiet kennenzulernen. 2 Sektoren von über 8 haben wir  kennengelernt, durch ein paar sind wir durchgelaufen, aber die Häfte haben wir nicht einmal gesehen.  Eins ist sicher, wir kommen definitiv wieder! In St. Leger Klettern lohnt sich allemal!

DSC02307

 

Unterkunft: Wer nach St. Leger Klettern möchte sollte sich vornweg allerdings klar werden wo er die Nächte verbringen möchte, es gibt zwar den ein oder anderen ruhigen Platz, allerdings sollten diese auf keine Fall überbeansprucht werden. Gleich am Taleingang bevor es nach St. Leger zu den Felsen geht, gibt es eine Auberge und naheliegend im nächsten Dorf auch einen Campingplatz!

Schlagworte: , , , ,

Kommentar schreiben

Bitte beachten: Der Kommentar muss zunächst freigeschaltet werden. Bitte nicht erneut absenden.