Traumtour: “Himbeertoni” (8+) am Oberreintalturm im Wetterstein

“Duck di, Bene!” Fünf Meter vor dem ersten Tunnel warnte mich Tom gerade noch rechtzeitig, den Kopf einzuziehen. Die Fahrt mit dem Radl durch die Partnachklamm in der Morgendämmerung war der Beginn eines weiteren Klettertages in der zweiwöchigen Kletterodysee mit Tom im August 2011. Eng war´s schon in den Tunnels,  dunkel und nass auch, aber die rasante Fahrt bergauf, immer hart am Abgrund, ersparte uns einen langen Umweg zu Fuß…

…leider sind das nur schöne Erinnerungen. Momentan regnet es, im Oberreintal liegen wahrscheinlich noch zwei Meter Schnee, aber Träumen ist ja erlaubt und die Tour ist es wert, in einem – etwas verspäteten – Bericht verewigt zu werden.

Wenn man die Tour an einem Tag machen möchte, braucht man das Mountainbike, ansonsten sollte man eine Übernachtung in der Oberreintalhütte einplanen. Als Tagestour ist ein früher Aufbruch notwendig, nicht nur wegen der langen Tour, sondern weil die Durchfahrt durch die Klamm nur vor 7 und nach 18 Uhr erlaubt ist. Danach geht´s auf der Forststraße weiter (immer den Schildern “Oberreintal” nach) bis zum Radlparkplatz unterhalb der Steilstufe, die ins paradiesische Oberreintal führt. Über den Steig ist es noch eine knappe Stunde zur Hütte. Zum Rasten war dort leider keine Zeit, 25 min weiter oben wartete der Obereintalturm auf uns.

Gigantischer Blick am Tor zum Paradies

Die Oberreintalhütte: leider nur Durchgangsstation

Die fast 1000 hm Anstieg waren happig, aber sie hatten sich gelohnt: 260 hm feinster Wettersteinkalk wartete auf uns: weiß, mit feinen Rillen, Löchern und Schuppen durchzogen. Die bombenfeste Absicherung mit Bohrhaken macht die Tour zu einem lohnenden Ziel: pro Stand ein Klebehaken und ein Inoxanker, Zwischensicherungen ebenfalls Inox. In den Sechser- und Siebener-Seillängen liegen die Haken jedoch auch mal etwas weiter auseinander.

Am Ende der ersten Seillänge (6+)

Keine Krabbelwiese, sondern steiler als sie aussieht

Zu den Schwierigkeiten: Eine 8+sollte bzw. muss man klettern können, es gibt an der Schlüsselstelle keine Ausweichmöglichkeit. Der 8. Grad beschränkt sich aber nur auf eine Seillänge, der Rest ist leichter (6-7). Vom Gipfel des Oberreintalturms (2022 m) ist der Abstieg leicht zu finden: Auf dem Grat nach Süden bis zum Gehgelände, dort abwärts in die Westschlucht, wo eine Abseilpiste wartet (insgesamt 40 min bis zum Radler vor der Oberreintalhütte). Eine sehr gute Abstiegsalternative ist Abseilen über die Route bzw. über die mit zahlreichen Abseilständen versehene Westwand des Oberreintalturms (so haben wir’s gemacht).

Tom im Traumfels

Die Schlüsselseillänge (8+/9-) ist geschafft! Tom freut sich...

Die Onsight-Begehung von “Himbeertoni” war mein erster, aber bestimmt nicht mein letzter Besuch im Oberreintal, ich glaube, ich könnte mindestens zwei Wochen dort oben verbringen. Vielleicht nach dem Abi – hoffentlich ist uns das Wetter wieder so gnädig wie im letzten Sommer -,  zu tun gäb´s noch genug.

In aller Kürze die Fakten (genaueres im Wetterstein Nord-Führer vom Panico-Verlag sowie unter bergsteigen.at inklusive Topo):

  • Erstbegeher: Tom Höck, Christian Pfanzelt, RP August 2007
  • Wandhöhe 260 m, Kletterzeit ca. 3 h, Exposition West
  • 7 SL (6+/6-/8+/6-/7-/6/7)
  • 50 m Doppelseil, 12 Exen
  • Zeitbedarf insgesamt: ca. 9 Stunden
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